Carl Gustav und Sabine

Ein Traum:

«Ich fand mich in einer Stadt, schmutzig, rußig. Es regnete und es war finster, es war Winter und Nacht. Das war Liverpool. Mit einer Anzahl, sagen wir einem halben Dutzend Schweizern ging ich durch die dunklen Straßen. Ich hatte das Gefühl, wir kämen vom Meere her, vom Hafen, und die eigentliche Stadt stünde oben, auf den Cliffs. Dort hinauf gingen wir. Es erinnerte mich an Basel: der Markt liegt unten, und dann geht’s durch das Totengäßchen hinauf zu einem oberen Plateau, zum Petersplatz und der großen Peterskirche.

Als wir auf das Plateau kamen, fanden wir einen weiten, von Straßenlaternen schwach erleuchteten Platz, in den viele Straßen einmündeten. Die Stadtquartiere waren radiär um den Platz angeordnet. In der Mitte befand sich ein runder Teich und darin eine kleine zentrale Insel. Während alles von Regen, Nebel, Rauch und spärlich erhellter Nacht bedeckt war, erstrahlte die kleine Insel im Sonnenlicht. Dort wuchs ein einzelner Baum eine Magnolie, übergossen von rötlichen Blüten. Es war, als ob der Baum im Sonnenlicht stünde und zugleich selbst Licht wäre«.

Vielleicht sehen die Schülerinnen und Schüler aus dem Petersschulhaus den Teich und die sonnenbestrahlte Insel, von der C.G. Jung 1927 träumte. Besonders wenn sie heute aus dem Fenster blicken, einem Tag, an dem sie wegen der stürmischen Sabine nicht auf dem Pausenplatz spielen können. Vielleicht schauen sie in ihren Tagträumen aber auch auf Südseeinseln mit Palmen, darauf Kokosnüsse und Papageien; diese Bilder, die sie aus Ferienkatalogen kennen. Die Bäume auf der kleinen Peterskirchplatz-Insel, die bald wieder zu blühen beginnen, erblicken sie aber ganz bestimmt.

 

Zitat aus
Erinnerungen Träume Gedanken von C.G. Jung
Aufgezeichnet und herausgegeben von Aniela Jaffé
Rascher Verlag, Zürich und Stuttgart, 1962

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